Wenn man genau hinsieht, ist es nicht schwer, den Sarkasmus zu erkennen, der grosse Teile der Unternehmenskultur systematisch am Laufen hält. Man muss nur sinnbild.lich den Stuhl drehen und sich umsehen: Der Pingpongtisch und die Macchiato-Bar sind nicht wirklich für das Wohlbe.finden der Mitarbeitenden da. Was durch die Adern der meisten Unternehmen fliesst, ist nicht Fürsorge, sondern ein eleganter Schleim aus Shareholder-Gewinn, Umsatz.maximierung und Marktwachstum.–.getragen von einer fragilen Designhülle, optimiert für maximale Produktivität.
Das Betriebssystem dahinter.? Die Stimmung ist ge.rade angenehm und zugleich erdrückend genug, um das zynische Fundament solcher Systeme zu vergessen und sich in tägliche Betäubung fallen zu lassen. Bequeme Möbel, triste Architektur, gut bestückte Snackautomaten.–.das sind Farbe, Textur und Sprache, die zusammenwirken, um eine Belegschaft zu kultivieren, die sich durch einen besonders ausgeprägten Sinn für Verdrängung auszeichnet. Erfolg misst sich dann daran, wie vollständig man Geist und Körper dem professionellen Kontrollapparat überlässt.
„Wake up, you need to sleep to shine your brightest light.“
steht auf der Polsterung von Untitled (Sleep) (2023), einem modifizierten Lounge-Skulptur-Stuhl von Clara Roumégoux (lebt und arbeitet in Genf). Das höchst suggestive Zitat führt uns mitten hinein in die Fragestellungen der Künstlerin. Warum unterbricht dieses ergonomische Konstrukt unse.ren Schlaf.–.nur um uns aufzufordern, noch mehr zu schlafen.? Das scheinbar funktionale Möbelstück lässt sich auf ein Vokabular zurückverfolgen, das Roumégoux in den letzten Jahren aufgebaut hat. Ein informeller Katalog, gespeist aus vielfältigen Quellen, das Splitter des zeitgenössischen Arbeitslebens versammelt: Objekte, Architektur, Gesten, Sprache.–.nüchterne Referenzen, die die Grundlage einer interdisziplinären Praxis bilden, die sich dem bitter-süssen Witz alltäglicher Selbstverständlichkeiten widmet.
Roumégoux ist besonders empfänglich für Umgebun.gen, in denen man sich angepasst, diszipliniert und gedämpft innerhalb sozialer Formatiersysteme bewegen muss. Gerade die Kontexte, in denen Individualität in die AGBs grossformatiger Institutionen gepresst wird, nimmt die Künstlerin auf, um sie kritisch zu rekonstruieren. Ihre Ins.tallationen wirken oft leicht verschoben, behalten viele ihrer ursprünglichen Merkmale bei, operieren jedoch in einem liminalen Raum, der die umgebende Architektur subtil verunreinigt. Sie tarnen sich als gewöhnlich.–.sind aber in Wirklichkeit Übungen im Unterwandern des Banalen. Um sich Roumégouxs Praxis wirklich zu nähern, braucht es einen aufmerksamen Blick und eine gewisse neugierige Hartnäckigkeit.
Für Plattform25 hat Roumégoux drei menschenhohe Lockenwickler samt zugehöriger Verpackung nachgebaut und deckt damit eine alternative Dimension von Häuslich.keit und performativer Schönheit auf.
Diogo Pinto (Aus dem Englischen übersetzt)