Down the rabbit hole, how to invest a world that is not yours?, 2025
Leinwand, Stoff, Papier, Plexiglas, Karton, Sagex, verschiedene Objekte, PVC-Planen
Variable Dimensionen
Das Werk Down the rabbit hole, how to invest a world that is not yours? (2025) von Kelechi Madumere porträtiert die weisse Vorherrschaft auf einem lebensgrossen Schachbrett, auf dem die Dualität von Schwarz und Weiss die für Machtdynamiken typische Asymmetrie widerspiegelt. Das Werk adressiert das Erbe des europäischen Kolonialismus, der durch die Ausbeutung von Ressourcen, den Raub von Land, kulturellem Eigentum und den damit verbundenen Erinnerungen ein hierarchisches Denken begründete und die Regeln eines Spiels festgelegt hat, in welchem Weiss dominiert.
In einem White Cube ausgestellt, zeigt die Szenerie „Mr. & Mrs. White“ im Zentrum des Schachbrettes, umgeben von weissen Spielfiguren aus Plexiglas mit minimalen, leblosen Figuren. Zusammen bilden sie ein Spiegelbild für das Publikum, eine Erinnerung an die Geschichte gegenwärtiger Privilegien, begleitet von dunklen Aspekten, die hier visuell hervorgehoben werden: Man kann die Flaggen verschiedener an der Kolonialisierung beteiligten Länder erkennen oder das keltische Kreuz, das häufig als Identitätssymbol von weissen suprematistischen Gruppen verwendet wird. Rote Farbflecken erinnern an ein blutgetünchtes Portrait in dem die Geschichte in der Gegenwart widerhallt, in einer Realität von systemischem Rassismus und der Gewalt, die dieser hervorbringt.
Kelechi Madumere (lebt und arbeitet in Lausanne) ist eine Malerin, die ihre Leinwände zerreisst, um ihr Format und ihre Tradition zu dekonstruieren und zu stürzen. In kathartischen Gesten fügt sie ihren Materialien zu, was sie bei den Bildern, die sie schildert, empfindet, und oszilliert dabei zwischen Zärtlichkeit und Gewalt. In diesem Porträt stehen die weissen Figuren den schwarzen gegenüber, die auf dem grausamen Schachbrett der globalen Politik gefallen sind. Diese „Verdammten dieser Erde“ – wie Frantz Fanon sie beschreiben würde – repräsentieren die afrodeszendenten Personen, die in einem vom Kolonialismus geerbten System unterdrückt werden. Doch diese Figuren tragen keine weissen Masken. Sie lehnen die weisse Hegemonie ab und, wie die Charaktere einer afrofuturistischen Utopie, bereiten sich auf den Kampf vor, um ihren Zustand umzukehren. Die vermenschlichten und sorgfältig handgefertigten Puppenfiguren werden nicht als leidende Opfer dargestellt. Stark und ermächtigt, eröffnen sie so einen Raum, in dem Sanftheit auf die Notwendigkeit des Widerstands trifft – mit der unmittelbaren Wirkung, ein Balsam für das Herz zu sein, der die rassistischen Wunden heilt.
Durch eine absichtlich brutale und freche Sprache, die einer gemässigten Intellektualisierung widerspricht, erzählt Kelechi Madumere die Gewalt der historischen und politischen Realitäten und setzt Trash als Mittel zur Bewusstseinsbildung ein. Angesichts der überdimensionalen Darstellung der Spielfläche erkennen die Besuchenden die eigene Beteiligung als Figuren im selben Schachspiel. Die künstlerische Geste ist direkt und frontal; es ist genau die scharfe Bewegung, die die Streichhölzer in den Taschen der schwarzen Spielfiguren in Flammen aufgehen lässt.
Monica Unser
Aus dem Französischen übersetzt